Indien – allein schon das Wort klingt nach Düften, Gewürzen und Exotik. Nicht umsonst ist die indische Küche berühmt auf der ganzen Welt. Auch für ihre Vielfalt, quasi in jedem Bundesstaat schmeckt es ein bisschen anders. Genauso vielfältig wie das Essen sind die Sprachen des Subkontinents – was einer Redakteurin wie mir die auf Recherche einer Gewürzgeschichte im südindischen Kerala ist (»essen&trinken« 11/08) schon mal zum Verhängnis werden kann.
Wenn man den ersten Tag in der Küche steht und in die Töpfe guckt. Oben in den Bergen im Osten, in der Hotelküche eines Ressorts namens Spice Village. Wo es auf den ersten Blick aussieht wie in jeder europäischen Hotelküche: viel Stahl, viel Hygiene. Auf den zweiten Blick stehen überall riesige Gewürzdosen rum, die es so bei uns nicht gibt. Und die Köche wackeln unter ihren Kochmützen mit den Köpfen. Bei jeder Gelegenheit, bei jeder Frage. Das ist in Südindien eine typische Geste die bedeutet: „ja”, „vielleicht”, „hallo”, „besser doch nicht”, „schön, Dich zu sehen”, „finde ich auch” oder … Es wird immer gewackelt und es kann alles heißen. Genauso wie die Worte, die da in der Küche umherschwirren. Frage: „Für welches Essen sind die Curryblätter?” (die in einem riesigen Büschel neben einem der Herde liegen). Antwort: wohlklingend mit viel Kopfgewackele, aber unverständlich.
Und spätestens jetzt wird es einem als Schreiberin Angst und Bange: Die Gerichte, die da genannt werden, haben keine englische Bezeichnung, auch keine auf Hindi (darauf lässt es sich ja vorbereiten, zumindest auf die Namen der Gewürze). Es ist Malayalam, eine schöne Sprache mit hübschen rund geschwungenen Buchstaben. Die Landessprache von Kerala. Aber völlig fremd. Und allein vom Hören nicht richtig aufzuschreiben. So kommt es, dass das Notizheft nach jedem genannten Gericht die Seite wechselt und jeder Koch das Gesagte selber aufschreibt, was dann zum Beispiel so aussieht: „KOZHY THENGA-VARUTHARACHATHU, Chicken and fried Coconut Gravy”. Ich vermerke dahinter: Hühnchen mit Kokosnusssauce, mit Nelken, Zimt, Anissamen, grünen und roten Chilis, viel Ingwer. Oder: „PAAL PAYASM, Rice in Milk Dessert”, Nachspeise aus gekochtem Basmati-Reis mit Milch, Ghee, Cashew-Kernen und Kardamom. Lecker!
Im Hotel Spice Village, Freiluftkochen mit Köchin Archana Devi, 20, die mir geduldig die ersten Kochbegriffe in Malayalam erklärt hat. Sie ist übrigens die einzige Frau in der Hotelküche und wenn es nach ihrem Chef geht, hätte der noch gerne fünf von ihrer Sorte, „dann wären wir unschlagbar…“



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