essen & trinken – Redaktionsblog

Unterwegs in Indien – Fingerfood

Es ist schon irgendwie verdächtig, wenn mittags zum Abschieds-Lunch von unserer Redaktionsreise durch Indien im Hotel zwei Menschen (ich, die Redakteurin und der mich begleitende Fotograf) an den allergrößten Tisch des Restaurants platziert werden, wo doch alle Plätze frei sind. Weil das Frühstück kaum vorüber ist und eigentlich kein Mensch schon wieder Hunger hat. Weil es in einem indischen Hotel schon zum Frühstück viele warme und leider unwiderstehliche Gerichte gibt. Und jeder zu viel isst.

Noch verdächtiger ist es, wenn der Service das Besteck einsammelt und nur die Servietten liegen lässt. Große Servietten. Und sich dann die Köche des Hauses, mit denen man so nett zusammengearbeitet hat, ebenfalls an den Tisch setzen und warten. Auf ein Schauspiel, in dem wir Journalisten offensichtlich die Protagonisten sind. Wie sich in dem Moment herausstellt, als zwei Bananenblätter statt Teller aufgedeckt werden. Auf die je ein Haufen Reis und flüssiges Ghee (Butterfett) kommt, darauf ein Pappadam (Knusperfladen), daneben Thoran (Gemüse mit wenig Sauce), daneben Linsen-Dal (ganz schön flüssig), daneben … viel Essen, das sich „Sadhya” nennt und ein traditionelles Gericht in Kerala ist.

„Und ja, ja, es wird mit der Hand gegessen, mit der rechten Hand”, versichert der Chef freundlich. (Ich bin Linkshänderin.) Was folgt, ist eine Art kulinarische Selbsterfahrung: Das jeweilige Gemüse soll nacheinander mit dem Reis vermischt werden, so weit, so gut. Nur: das Ganze mit den Fingerspitzen aufnehmen und wie ein Kran zum Mund heben, funktioniert nicht. Es tropft. Auf der flachen Hand liften, geht auch nicht. Es läuft in den Ärmel. Hilft nur beherztes Zudrücken mit der Faust, Klumpen formen (dafür eignet sich der dicke Kerala-Reis dann doch erstaunlich gut), und den mit dem Daumen in den Mund schieben. Ziemlich ungewöhnliche Geschichte. Aber: Happy End!

Anmerkung: Wir haben uns diese Sadhya auf unserer Reportagereise (»essen&trinken« 11/08) noch zwei weitere Male in verschiedenen Hotels servieren lassen. In der Absicht, ein Foto von dem Gericht zu schießen. Aber manche Dinge sind einfach unmöglich: So ein Bananenblatt ist ein glatter Untergrund und die flüssigen Anteile der Gemüsegerichte laufen unweigerlich ineinander, was optisch nicht so attraktiv ist. Selbst emsiges Tupfen diverser hilfsbereiter indischer Köche mit Küchenpapier hat nicht geholfen.

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