Ein Markt in Deutschland, den gibt’s in der Regel ein- bis zweimal in der Woche und daneben kauft man im Supermarkt ein. In Kochi, der indischen Hafenstadt am Arabischen Meer, die ich für meine Reportage im Novemberheft «essen&trinken» besuchte, ist für viele Menschen der Markt unser Supermarkt. Deshalb gibt’s dort alles, jeden Tag, und eine staunende Redakteurin wie ich lebt da gefährlich: Sie steht nämlich dauernd im Weg rum. Und die Wege sind schmal, oft sind es zwischen den üppig bestückten Ständen nur Pfade. Hauptgefahrenquelle sind Reissäcke, die auf den Schultern kleiner schmaler Inder mit recht hohem Tempo um die Kurven getragen werden. Sind die Wege breiter, sind Tuck-Tuck-Fahrer mit ihren dreirädrigen motorisierten Transportgefährten unbedingt ernst zu nehmen. Ebenso wie überladene Motorroller – bei denen sich die Frage stellt: Wie können die überhaupt noch fahren?
Wenn auf dem Beifahrersitz ein großer Zwiebelsack sitzt, an den ein Curry-Busch gebunden ist? Und da, wo die Beine des Fahrers sind, ein Karton steht, auf dem ein Sack liegt. Rechts am Lenker eine Tüte mit Ananas baumelt, links am Lenker eine mit getrocknetem Fisch.
Am besten also: eine ruhige Ecke suchen und erst dann gucken. Was sich wirklich lohnt. Da gibt es Säckeweise rote Chilis, die pro Kilo gerade mal 60 Rupien kosten, so etwa 60 Cent. Oder Bananenblätter, gebündelt zu vielleicht 100 Stück. Sie werden aber auch einzeln verkauft. Wer es sich leisten kann, nutzt für eine Mahlzeit ein ganzes Blatt als Teller, Wrap oder Wickelpapier. Wer nicht so verschwenderisch ist, teilt es in drei Teile. Am Nebenstand werden Steinmörser für Gewürze angepriesen, ebenso Reisigmatten, Kokosseife, Bambusmatten, Kokosmatten.
Ein wenig weiter ist das Areal der Gemüsehändler. Und da ruft unser Guide doch lieber die indische Mutter per Handy an, um den deutschen Journalisten der Zeitschrift »essen&trinken« (11/08) nichts Falsches zu erzählen. Also: Diese grünen gurkenartigen Gebilde mit der hubbeligen Schale seien Bitter-Gourds, so was wie Bitter-Kürbisse, die die Leber stimulieren (schiebt die kluge Mutter nach). Die langen dünnen seien Schlangen-Gourds, die gerippten eben gerippte Gourds.
Ein Markt, eine Herausforderung. Da tut es gut, zwischendurch einen indischen Tee zu nehmen vom radelnden Teehändler, der den riesigen Stahlkessel auf den Gepäckträger geschnallt hat. Der Tee kommt in winzige Gläser und wird mit Milch und Zucker aufgefüllt. Sehr süß. Sehr gut!



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