essen & trinken – Redaktionsblog

Der „große“ Rote steht vor der Tür

Renate Frank Renate Frank
1. Dezember 2008
4 Kommentare

Verschiedene Rotweinsorten

Verschiedene Rotweinsorten

Ich muss es jetzt einfach mal schreiben dürfen, denn in der Weihnachtzeit regt es mich besonders auf: Die Suche nach den „großen“ Weinen. In Vorbereitung auf das Fest der Feste wird meistens der ultimative Rote gesucht, es kann aber auch der kuscheligste Kaminwein oder in Zeiten der Krise der Beste-billigste-Was-auch-immer-Wein sein.

Was soll das? Als wenn es sowas gäbe: ein Wein, der jedem schmeckt. Wieso soll mein oder Ihr Lieblingswein nun gerade unter den von irgendwelchen Experten erschmeckten Aromenbomben sein? Ich zum Beispiel trinke gern elegante, feingliedrige Spätburgunder. So ein Wein, im internationalen Sprachgebrauch Pinot Noir genannt, schafft es aber so gut wie nie, sich gegen die Wuchtbrummen durchzusetzen, die traditionell die Großverkostungen dominieren. Und wie oft habe ich es schon erlebt, dass die „Großen“, wenn sie nicht im Vergleich mit anderen Hundertschaften probiert werden, viel zu dick und fett sind. Mancher Experte war da von „seinem Wein“ nach einem Glas „satt“.

Ich kann diesen Herdentrieb nicht ausstehen. Es gibt so viele interessante Weine auf der Welt, die in kein Schema passen. Deshalb sollte sich jeder Weintrinker die Mühe machen, seinen ureigenen Lieblingswein selbst zu finden – und zwar immer wieder neu. Und apropos finden: Einige meiner Fest-Favoriten finden Sie in der aktuellen Dezemberausgabe von »essen & trinken« bei den Weihnachtsmenüs. Allerdings: Der dort unter anderem beschriebene Pinot Noir ist nicht gerade feingliedrig…

Foto: www.deutscheweine.de

Kommentare (4)

  1. Da stimme ich völlig zu, den Wein, der allen schmeckt, gibt es nicht. Jeder hat doch einen anderen Geschmack. Wenn der Herdentrieb einsetzt, sollte man sich zurückziehen, über die Etikettentrinker will ich mal gar nicht reden.
    Wir trinken sehr gerne die Wuchtbrummen, aber sie müssen immer noch zum Essen passen, denn nur zum Essen gibt es bei uns Wein. Nein, nicht nur zum Essen, da muss ich mich korrigieren, auch vor dem Essen (dann natürlich keine Wuchtbrummen), aber nie nach dem Essen.

    Es ist reine Geschmackssache mit dem Wein und es dauert doch recht lang, bis sich im Laufe des Lebens die Vorlieben herauskristallisieren.
    Und immer wieder gibt es neue Überraschungen, es hört nie auf, das ist das Spannende daran.

  2. Ja, das dauert schon seine Zeit, bis man seine Vorlieben kennt. Und dann denkt man, man hat ihn, den Lieblingswein … und schon schmeckt der neue Jahrgang ganz anders. Herrlich! Aber warum keinen Wein nach dem Essen? Eine Auslese als Nachtisch ist doch genial …

  3. Zum Dessert passen natürlich noch eine Menge schöne Weine – aber ich kann dann einfach nicht mehr, ich klinke mich aus, zu viel Süsses ist einfach nichts für mich. Klar, ein Dessertwein wird nur glasweise getrunken, aber selbst das eine Glas ist mir schon zu viel.

  4. Bin auch eher ein Fan der trockenen Fraktion :)

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