Es gibt für alles ein erstes Mal. Sogar für Knäcke. Und während sich meine Kollegen wahrscheinlich an ihren ersten Kaviar erinnern, blieb bei mir die Begegnung mit dem knusprigen Plattling kleben. Zumindest fand diese kulinarische Trockenübung ganz Bullerbü-mäßig im Knäckeland Schweden statt.
Der schönste Sommer meiner Kindheit – drei sonnige Wochen in den Schären, mit Pilzesammeln, Bootfahren, Plumpsklo und 47 Mückenstichen pro Kinderbein – war sozusagen mein Coming of age in Sachen Knäckebrot. Diese in dickes Papier eingeschlagenen wagenradgroßen Scheiben mit Loch in der Mitte (gibt’s inzwischen bei Ikea) hatten es mir sofort angetan: das Knacken, wenn man das Brot bricht, das Knuspern im Mund – herrlich. Dass das Ding auch noch gut für die Figur sein soll, war mir damals schnurz. Heute weiß ich: Knäckebrot ist echtes Vollkornbrot. Die klassische Grundlage bilden Roggen- und/oder Weizenmehl. Dazu kommen Wasser, Salz und zum Teil auch Hefe. Es ist reich an Ballaststoffen, wird kurz und sehr heiß gebacken, und durch den anschließenden Trocknungsprozess reduziert sich sein Wassergehalt auf unter 10 Prozent.
Spätestens beim Zubeißen klärt sich der lautmalerische Name: Knäckebröd, wie es im Ursprungsland Schweden heißt, kommt von „knäcka”, knacken. Und von Skandinavien aus trat es einen wahren Siegeszug nach Deutschland an, wo seit mehr als 80 Jahren und auch vor Ort gebacken wird. Heute gibt es dicke und millimeterdünne Scheiben, dezent blass oder kräftig dunkelbraun, rechteckig oder rund, aus Hafer, Gerste oder Dinkel, mit Zutaten wie Sesam, Amaranth, Buttermilch und Früchten. Sogar gluten- und laktosefreies Knäckebrot für Allergiker und solches in Bioqualität finden sich im Angebot.
Was macht Knäcke so populär? Das „Trockenflachbrot”, so die Definition laut Deutschem Lebensmittelbuch, ist sehr knusprig, weil es fast nur aus Kruste besteht. Dieses Mundgefühl wird durch Zusatz von Sesam, Leinsaat oder Sonnenblumenkernen natürlich noch verstärkt. Der extrem niedrige Wassergehalt von Knäckebrot hat den Vorzug, dass es bei richtiger Lagerung sehr lange haltbar ist – ein paar Pakete sind immer eine gute Reserve, falls Sie mal vergessen haben, zum Bäcker zu gehen.
Foto: pixelio.de



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