essen & trinken – Redaktionsblog

Is(s)t der Italiener schizophren?

Eckard Krüger Eckard Krüger
18. Februar 2009
4 Kommentare

Ob zu Hause oder auf Reisen, Italiener gehen nur ungern in Restaurants mit „fremdländischer” Küche, die nicht das vertraute Angebot von Pizza, Pasta, Pesce, Carne und Dolce im Sortiment haben. Andererseits sind sie mächtig stolz darauf, dass Italo-Food im Ausland boomt und dass es außerhalb ihrer Heimat sage und schreibe 60 000 italienische Restaurants gibt. Also: Trattoria „Da Luigi” in Istanbul super, aber Döner-Imbiss „Topkapi” in Milano nix gut? Oder wie jetzt?

Die Stadtväter von Lucca haben nämlich einen Feldzug gegen Überfremdung im Gastgewerbe und den damit verbundenen Verfall der italienischen Esskultur gestartet. So soll im historischen Stadtzentrum der toskanischen Stadt nicht nur die Neueröffnung von Fast-Food-Läden verboten sein, sondern auch die Eröffnung von Restaurants, die einer „anderen Ethnie” als der italienischen angehören. Aber schon melden sich kritische Stimmen: Dass man zunehmende McDonaldisierung und Star-Bucks-Epidemie nicht ungebremst hinnehmen wolle, sei begrüßenswert, aber deshalb auch gleich Chinesen und Thais mit ihren Restaurants zum Teufel zu schicken, sei „gastronomischer Rassismus”, so Paolo Cocchi, der Beauftragte für Handel und Touristik der Region Toskana.

Was meinen Sie? Lassen sich im Zeitalter der Globalisierung „die italienische”, „die deutsche”, „die französische” Küche durch Dekrete und Verordnungnen retten? Oder muss man dazu den Hebel woanders ansetzen?

Kommentare (4)

  1. Das Mißtrauen der Italiener gegenüber anderen “Küchen” kenne ich nur zu gut!
    Aber diese Tendenz geht nun noch weiter. Schon vor einigen Monaten forderte der Agrarminister Zaia (Lega Nord!)die Italiener auf, z. B. keine Ananas mehr zu kaufen; diese Frucht wachse nämlich nicht in Italien.
    Dieser Küchenchauvinismus hat nun nach einer Radiomeldung von heute morgen das Parlament erreicht. Alle französischen Gerichte – und ich bezweifele, daß solche überhaupt jemals auf dem Menuplan standen – sollten vom Menu gestrichen werden.
    Als vor einigen Jahren in einer beliebten, aber unglaublich bieder gemachten Kochsendung (”La prova del cuoco” ähnlich dem vor Jahren in Deutschland ausgestrahlten Kochduell) einen Kandidatin Gruyère auspackte, wurde sie vom dort anwesenden “Küchenexperten” – denn auch in einer solchen Sendung geht es sehr oft ernst und mit erhobenen Zeigefinger zu – übelst gemaßregelt, wie sie es wagen könne, einen (Achtung!) französischen! Käse mitzubringen, wenn es die besten Käsesorten der Welt in Italien gebe.
    Die Tendenz, die der Beitrag sehr treffend beschreibt, ist bedenklich, kommt aber letztlich der italienischen Überzeugung, das beste Essen der Welt zu haben, nur entgegen.
    Aber auf diese Weise läßt sich die “italienische” Küche nicht retten. Vielmehr sollten sich die Italiener mal Gedanken über die Qualität ihres Angebots machen. Da allerdings gebührt hier der Slow-Food-Bewegung unter Carlo Petrini großes Lob.

  2. „Sehr richtig! Und außerdem sollten sich diese italienischen Gastro-Chauvinisten mal klarmachen, dass sie wahrscheinlich heute noch
    Weizenbrei mümmeln würden, wenn nicht Marco Polo die Nudel aus China mitgebracht hätte. Und was für eine Schmach muss es für Berlusconi und
    Kompagnons sein, dass ausgerechnet ein Deutscher – Heinz Beck, der geniale Chef des La Pergola im Cavalieri Hilton in Rom – die beste Küche Italiens kocht!” SO!

  3. Liebe Frau Ariane, lieber H. von Spaeth, ich bedanke mich herzlich für Ihre Kommentare zum Thema „Nationalküche” in Italien. Besonders der erste Beitrag hat mich allerhand gelehrt – dass es sooo schlimm ist im Stiefelland, wußte ich bis dahin auch noch nicht.

  4. einfach nur lol! Der beste Käse kommt, wie auch der Greyerzer(oder eben: le Gruyère) aus der Schweiz.
    Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Greyerzer

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