
Blick über die Stadt Darjeeling
Nach der nepalischen Provinz Ilam war das zweite Ziel meiner Reise für die Tee-Reportage in »essen&trinken« (März-Heft: Die zwei Welten von Pashupati) das berühmte Darjeeling. Der Ort liegt nur ungefähr 40 Kilometer von Ilam entfernt, aber den direkten Weg dürfen Ausländer nicht nehmen. Der Übergang Pashupati ist nur für den kleinen Grenzverkehr gedacht. Wir müssen den Umweg über das Tal nehmen: Eine Tagesreise mit dem Jeep.
Dort erwartet uns koloniale Tradition. Nach einer stilechten Übernachtung im alten Windamere-Hotel in Darjeeling und einem Besuch im heruntergekommen Planters Club geht es in die Teegärten mit den feinen Direktoren-Bungalows. Apropos fein. Nur die beiden jüngsten Blätter und der Trieb werden von den Pflückerinnen geerntet; „two leaves and a bud” heisst das in guter englischer Tradition.
Vijay Singh Parmar, Berater der Chamong-Gruppe, die im Gebiet 13 Gärten unterhält – einige schon seit Anfang der 90er Jahre Bio zertifiziert – wandert mit uns durch den Tumsong Teegarten: „Das ist unser goldenes Tal”, sagt er und deutet auf die Nordhänge. „Beste Qualität, kleine Blätter, ein Geschmack wie Honig. Hier regnet es im Frühjahr zuerst, deshalb haben wir hier als Erste den First Flush, die erste Ernte.”
Seit 20 Jahren lehrt der Tee-Experte an der University of North Bengal. Mir erklärt er das besondere am Darjeeling-System: „Das Land gehört den Leuten nicht, aber es ist ein Privileg, in einem Teegarten geboren zu sein. Die Familien sind voll versorgt, von der Geburt bis zur Bestattung.” Im nächsten Teil gibt es den kleinen Unterschied zu entdecken.
Fotos: Gottfried Reichenbach


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