
Neuseeländische Äpfel
Mit dem Umweltbewusstsein ist es ja immer so eine Sache. Gegen exotische Früchte an sich haben die meisten nichts einzuwenden: Statt eines Apfels kommt dann auch mal Mango an den Obstsalat. Wenn aber die Äpfel selber über Kontinente hinweg verschifft werden, fragen sich viele, ob das denn unbedingt notwendig sei. Die Zauberworte heißen „Klimabilanz” und „Food Miles”: Also wie groß ist der ökologische Schaden, den Anbau und Transport von Lebensmitteln anrichten.
Findige Wissenschaftler geben zu bedenken, dass regionale Produkte unter Umständen gar keine so herausragend gute Klimabilanz aufweisen. Denn deutsche Äpfel wachsen nun mal nicht im April. Sie werden seit letztem Sommer in Kühlhäusern gelagert. Da sich Wissenschaftler gerne an Daten und Fakten halten, rechnen sie dementsprechend nach, ob der Apfel aus Neuseeland möglicherweise klimaschonender ist, als sein regionales Pendant. Er hat zwar den weiteren Weg, muss aber nicht monatelang gelagert werden. Ergebnis: Der neuseeländische Apfel „verbraucht” gerade einmal ein Drittel mehr an Energie als der deutsche. Soweit die oberflächlichen Fakten.
Gerne vernachlässigt werden in solchen Rechnungen die Folgen und Bedingungen dieser Art des Kaufverhaltens. Um bei dem Beispiel Apfel zu bleiben: Je mehr importierte Äpfel den Weg in die Haushalte finden, desto weniger regionale Äpfel werden verkauft. Das wiederum hat langfristig den Rückgang, wenn nicht sogar das Aussterben heimischer Apfelsorten zur Folge. Mit anderen Worten: Wenn Sie einen regionalen Apfel kaufen, tragen Sie damit auch zum Erhalt der Artenvielfalt deutscher Äpfel bei.
Fragen sollte man sich zudem, unter welchen Bedingungen die Äpfel geerntet werden. So sind auf südamerikanischen Fruchtplantagen Arbeitszeiten von 12 bis 16 Stunden pro Tag keine Seltenheit, die Löhne sind gering, die Arbeitsbedingungen bisweilen katastrophal. Eine gute Alternative sind hier immerhin die fair gehandelten Produkte.
Der Preis eines Produkts und seine vermeintliche Klimabilanz sollten den Einkauf also nicht allein entscheiden. Und ganz nebenbei: Manchmal ist es reizvoller, ein Produkt zeitweise gar nicht zu bekommen. Denn Spargel oder Erdbeeren schmecken nach Monaten des Wartens (und der Vorfreude) einfach sehr viel besser.
Foto: www.flickr.com


Kommentare & Trackbacks