essen & trinken – Redaktionsblog

Thunfisch gefährdet

Stefan Pohlmann Stefan Pohlmann
20. April 2009
6 Kommentare

thunfischVon Irland nach Kuba, One-Way: 6000 km. Zu Wasser. Das ist die Strecke, die ein im Atlantik beheimateter Blauflossenthun in einem halben Jahr zurücklegen kann, um zu laichen. Bei Thunfischen handelt es sich also um beeindruckende Meeresbewohner. Und auch kulinarisch erfreuen sie sich höchster Beliebtheit.

Genau genommen zu hoher Beliebtheit. Eine aktuelle Prognose des WWF warnt sogar davor, dass der Mittelmeer-Blauflossenthun 2012 ausgerottet sei, wenn die Zeitfenster, in denen der Fisch gefangen werden darf, nicht ausgesetzt würden. Die Fangsaison im Mittelmeer startet in aller Regel Mitte April und fällt damit in die Laichsaison der Tiere. Deren Bestand ist in den letzten 50 Jahren allein im Mittelmeer um 75 Prozent gesunken.

Das Problem besteht indes nicht nur in Europa, sondern weltweit. An Fischständen und auf Thunfischdosen prangt zwar das Siegel für „delphinfreundlichen” Fang, dafür bringen die neuen Fangmethoden ganz andere Probleme: Hierbei treibt ein größeres Objekt frei im Wasser, von dessen Schatten die Schwarmfische quasi magisch angezogen werden. In diesen Schwärmen tummeln sich etliche Jungtiere, die als Beifang in die Netze gehen. Auf diese Weise nehmen nicht nur die Bestände rapide ab, die Blauflossen-Thunfische erreichen auch längst nicht mehr ihr ursprüngliches Gewicht von bis zu beeindruckenden 900 kg. Ihr Durchschnittsgewicht liegt derzeit gerade noch bei mageren 65 kg.

Dabei gibt es mittlerweile Methoden, sowohl junge Tiere zu schützen als auch den Beifang anderer bedrohter Tierarten wie Schildkröten zu reduzieren. Speziell geformte Fanghaken können von Schildkröten und Jungtieren nicht verschluckt werden, sind für die Fischer aber schwerer zu handhaben.

Eine andere Lösungsalternative können die Verbraucher selbst realisieren. Vorreiter ist hierbei das Fürstentum Monaco. Dort verzichten Restaurants, Einzelhändler und Chefköche komplett auf den Blauflossenthun. Das selbst auferlegte Verbot wolle man aufrechterhalten, bis sich die Bestände wieder erholt hätten. Monaco ist damit der erste Staat der Welt, der einen solchen Verzicht übt. Vorbildhaft.

Foto: Wikimedia

Kommentare (6)

  1. Hallo Stefan,
    vorbildlich was da in Monaco praktiziert wird. Aber ob sie sich auch an den anderen gefährdeten Fischarten orientieren?? Denn auch Schwertfisch, Dorsch usw. sind zu über 90% abgefischt.
    http://www.ard.de/ratgeber/essen-trinken/lebensmittelkunde/fische-kaufen/-/id=307210/nid=307210/did=847946/1j0uydk/index.html
    So kann wieder mal der Verbraucher durch sein Verhalten mehr beeinflussen.

  2. ja, so ist es eben mit der fresserei. wird sushi modern, wollen alle in der welt sushi essen. wären sie doch bei salat und hamburger geblieben.
    als japan noch sein sushi und sashimimonopol hatte, sah die welt noch anders aus. heute jagt eine schlechte sushibar in der welt die nächste. weder mit der handhabung des fisches, noch mit der kühlkette nimmt man es da ernst. die meisten sushiläden in paris werden von chinesen geleitet, die bekanntlich mit rohem fisch nicht so sehr erfahren sind.
    auf dem grossmarkt rungis kommen zum fischkauf morgens als erste die japaner, dann die franzosen und zu allerletzt die chinesen, die den restfisch kaufen, für ihre sushiläden mit japanischen namen.
    ich esse ausserhalb japans fast nie sushi, die qualität des fisches ist eben nie wie in tokyo oder osaka. den guten thunfisch, besonders die bauchpartie (toro) bekommt man ohnehin nie in europa. ich schütze also die bestände durch nicht kaufen.
    das problem ist ja nicht nur der thunfisch. mit auf der liste stehen haie, kabeljau und vieles andere. auch wird der verbraucher nicht viel ändern. die fangquoten sind schön und gut, werden sie denn auch respektiert? ich traue den fischern nicht. sie haben leider nicht die gleiche mentalität wie viele jäger, die ja auch häger sind. wenn man genau hinsieht, beispielsweise wie die fischer mit dem meer umgehen (müllentsorgung, altöl etc), schaffen sie nicht wirklich vertrauen. wahrscheinlich müssen die fische erst aussterben bevor man dann eine wirkliche massnahme ergreift. und dann, tja …. merde, trop tard :-(

  3. ja so ist es leider weltweit stefan.
    In Thailand gibt es gigantische Zuchtanlagen für Shrimps und co- mit allen Giften und Hormonschüben. Die ganze Umgebung einsschl des Grundwassers wird verseucht. Und alles, damit hier bei Aldi,Lidl usw. die Tiefkühler prall gefüllt sind- für beinah jeden erschwinglich. Ich sah keinen Thailänder Shrimps essen.In Afrika sieht es auch nicht anders aus mit dem Import der Exotenfische. Die einheimischen können sich nicht einmal die Abfälle leisten. usw usw.

  4. das
    http://www.essen-und-trinken.de/rezept/157327/thunfisch-mit-frittierten-nori-algen.html stammt dann wohl nicht von Dir?

  5. @benabar: Exakt. So weit reichen meine Kompetenzen dann doch nicht, dass das essen&trinken Heft Rezepte von mir veröffentlichen würde ;)

    @joerg Lehmann: Das Problem sehe ich neben der Sushi-Geschichte auch noch in den Unmengen an Dosenthunfisch, bei dem das Bewusstsein des Verbrauchers für das Produkt wahrscheinlich in noch viel stärkerem Maße verloren gegangen ist. Einige wissen womöglich nicht einmal, dass so ein Thunfisch weder rund noch aus Blech ist.

  6. das ist möglich, wobei ich denke, dass der impact von dieser sushimania grösser. sushi ist ja auch nur ein stück fisch auf reis.
    wie auch immer, das ergebnis ist das gleiche und abhilfe bei der unvernunft nicht in sicht. in diesem sinne ist die verfügbarkeit von allem, zu jeder stunde, jeder saison und keine entfernung ist zu gross, keine gute idee für die bestände unserer fische und anderem wovon wir leben. es wäre etwas weitsicht und wissen wichtig, oder besser gesagt aufklärung. das fängt bei der erziehung an. man muss auch keine tomaten im winter essen und keine kirschen im januar, die aus equador kommen, die dann mit viel ernergieaufwand zu uns geschleppt werden. die thunfische als beispiel sind eine echte verführung in japan, bedenkt man allerdings, dass sie schockgefroren per flugzeug eingeflogen werden, um am nächsten tag am sushicounter in tokyo gegessen zu werden, ist das plaisir nur halb so gross.
    zu schade, was für ein erlebnis, diesen könig der fische zu essen.

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