essen & trinken – Redaktionsblog

Der Geschmack von damals

Laura Hempel Laura Hempel
27. April 2009
10 Kommentare

erdbeerenWenn mir meine Mutter von ihrer Kindheit erzählt, schwärmt sie oft davon wie herrlich das Obst und Gemüse früher schmeckte. „Damals war der Geschmack einfach intensiver, die Tomaten aus unserem Garten waren unglaublich aromatisch und die Erdbeeren viel süßer als heute“, sagt sie. Und wie ist Ihre Meinung?

Hat sich der Geschmack von Obst und Gemüse verändert?

Foto: www.photorack.net

Kommentare (10)

  1. Früher, ja früher, da waren wir Kinder. Solche Erinnerungen sind meist stärker, schöner und toller, es gab doch so viel Neues zu entdecken. (Man sagt ja auch so gerne, früher sei alles viel besser gewesen.) Klima, Boden, Sortenwahl – so viel beeinflusst da den Geschmack.

    Ich gebe zu, die Tomaten schmeckten so stark nach Tomaten, dass ich den Geschmack mit Salz, Pfeffer und Senf betäubt habe.
    Pfirsiche assen wir Kinder oft schon in halbreifem Zustand. Das machten wir auch mit den Kirschen, denn ein schöner Mairegen auf reife Kirschen liess die Maden über Nacht explodieren, dann liessen wir die Finger davon. Johannisbeeren und Himbeeren sind heute noch genauso gut, nur hatten unsere Himbeeren so viele Maden, dass einem die Freude dran verging.
    Erdbeeren? Nun, diese Riesendinger hatte meine Oma schon kultiviert: innen viel Luft und an grossen Geschmack kann ich mich nicht erinnern. Später wurden dann Senga Sengana gepflanzt, die fand ich zu säuerlich. Erdbeeren waren sowieso Omas Heiligtum.
    Wir holten Möhren/Karotten aus dem Beet, wuschen sie ein wenig ab und assen sie dann. Was machte es schon, wenn es dann noch ein bisschen sandig knirschte.
    Für Rhabarber holten wir uns ein Tellerchen Zucker, tunkten ihn hinein und verputzten ihn.

    Das war früher – welche Kinder lernen das denn heute noch kennen?

  2. @rinquinquin.Du sprichst mir aus der Seele
    Wir (meine Familie und ich) sind vor einem Jahrzehnt nur über den Geschmack wieder an die aromatischen Möhren aus der Jugendzeit herangekommen. Einkauf damals schon direkt beim Biobauern, da schmecken die Möhren nach Möhren. Erdbeeren habe ich als Kind selbst im Garten bearbeiten müssen (wie habe ich diese Gartenarbeit damals gehasst!)Senga Sengana waren mir nie zu sauer, im Gegenteil, heute gibts so etwas nicht mehr, leider :-(

  3. Also, dass früher alles besser war, weil wir da Kinder waren und ein anderes Wahrnehmungsvermögen hatten – das möchte ich so nicht stehen lassen.
    Ich bin inzwischen in einem Alter, da kann ich mich leider nicht an Kindheitsgeschmackserlebnisse erinnern. Sehr wohl erinnere ich mich aber, wie Obst und Gemüse in meiner Jugend- und frühen Erwachsenenzeit geschmeckt haben. WESENTLICH BESSER! Das liegt zum einen daran, dass immer mehr gespritzt und auch viel zu früh geerntet wird und zum anderen auch an der Treibhausware mit Kunstsonne und -wärme. Wo soll denn da bitteschön der Geschmack herkommen ???
    Jedes Obst und Gemüse zu seiner Zeit, gedüngt mit natürlichem Dung (und nicht mit Gülle), ungespritzt und dadurch evtl. mit ein paar “Stellen” oder “Unebenheiten”. Dann kommt auch der Geschmack nicht zu kurz.

  4. Ich muß mich da vollkommen Kassandras Meinung anschließen. Auch haben die Erdbeeren nach Erdbeeren geduftet und die Äpfel haben Duft verströmt. Heute finde das das äußerst selten.

  5. Es ist sicher richtig, daß in unserer Erinnerung manches besser wird als es wirklich war.
    Aber genauso richtig ist auch, daß tatsächlich einiges besser war, nämlich noch weniger “gemacht” wie ich meine.
    In den letzten 4 Wochen konnte ich mehrmals verschiedene Apfelsorten von “Obst vom Bodensee” verkosten: wunderschön, knackig, saftig.
    ABER: geschmacklich haben sie nicht nur nichts mit den Äpfeln aus meiner Kinderzeit zu tun, sondern auch definitiv nichts mit eben den Kinderzeit-Äpfeln, die wir heute noch von unseren eigenen Apfelbäumen ernten.
    Und die Bio-Erdbeere aus Spanien war genauso “al dente” und sauer wie die, die ich als Kind mangels Geduld zu früh gepflückt habe. Allerdings war sie schon leuchtend rot, verlockend rot und perfekt wie im Prospekt. UND: es waren für den Müll bereits viele Schalen aussortiert, weil eine einzige jeweils faulig war.

  6. Einfach intensiver!
    Wann habe ich zum letzten Mal Tomaten mit diesem Geschmack gegessen?
    Erdbeeren so rot, so süß, so fruchtig, ohne Zucker oder Sahne!
    Möhren, frisch vom Beet? Kohlrabi?
    Stachelbeeren – Johannisbeeren vom Strauch?
    Es war zwar “nur” ein Schrebergarten und wir mussten 25 Minuten Fußweg bewältigen um dorthin zu kommen. Aber welche Ernte?
    Ich glaube einfach nicht, dass mich die Nostalgie narrt. Es war einfach alles natürlicher.
    Heute habe ich den Eindruck, dass alles gleich schmeckt. Eine Alterserscheinung?

  7. Hallo,
    natürlich war der Geschmack früher besser, das hat nichts mit Nostalgie oder Alter zu tun. Alte Sorten, egal ob Kartoffeln, Erdbeeren oder Äpfel sind heute fast verschwunden, zugunsten von verkehrsfähigen. Glatt, sauber, rein und gleich gross sind heute die Kriterien zur Vermarktung. Es geht doch darum, die Obst- und Gemüse möglichst in gleichmäßiger Qualität an die Verbraucher zu bringen, verkehrsfähig heißt, druckunempfindlich und pack- und transportfähig auf weite Strecken. Das geht nun auf Kosten des Geschmacks. Wer wieder Geschmack erleben will, muss alte Sorten nachfragen, nur wenn Sie gewollt werden, haben sie noch eine allerletzte Chance zu überleben, denn es gibt sie zum Teil noch. Der Geschmack hängt aber auch vom Boden ab, überdüngt, ausgelaugt und kaum noch mit den notwendigen Spurenelementen versorgt, können unsere Böden auch keinen Geschmack in der Frucht erzeugen. Das hat auch mit unserem Einkaufsverhalten zu tun, immer alles zu jeder Jahreszeit bekommen und dann auch noch billig. Bioware ist auf dem richtigen Weg, regional und saisonal dazu noch alte Sorten, dann kann der Geschmack auch wiederkommen. Ich gebe jedenfalls noch nicht auf.

  8. Da wir unser Gemüse und Obst selber anbauen, haben wir Einfluß auf die Art der Düngung sowie auf die Sorten.Es gibt alte kartoffel,Erdbeer…und sonstige Sorten – da hat man das Gefühl, wieder in der Kindheit zu sein!!!

  9. Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Damals gab es wundervolle Sachen, die man heute nicht mehr findet, z. B. Feldkohlrabi. Die waren etwa handballgroß und hatten entweder eine rote oder grüne Schale. Und innen butterweich. Herrlich. Ein Messer hatten wir immer dabei und haben dann mit mehreren so ein Teil verputzt.
    Einen Käse, der noch genauso schmeckt wie in meiner Kindheit habe ich wiedergefunden. Limburger. Dieser “Stinker” ist nicht jedermanns Geschmack aber wer ihn mag. Hier gibt es ihn in altbewährter Qualität ( und nicht die Gummiversion, die man heute kaufen kann:
    http://www.sennerei.lehern.de

  10. Eigentlich ist all dem nicht mehr hinzuzufügen. Moderne Lebensmittelversorgung funktioniert über industrielle Erzeugung und perfekt organisierte Vertriebswege. Viele landwirtschaftliche Erzeugnisse werden in Treibhäusern computergesteuert mit allem versorgt, was die Pflanzen brauchen. Damit schafft man es sogar, schneller und voluminösere Ergebnisse zu bekommen. Sieht gut aus, ist bequem, schmeckt sogar – aber erreicht nicht das, was es mal war. Es betrifft alle Gartenfrüchte.
    Wer wirklichen Genuss will, kommt an der Eigenproduktion nicht vorbei. Und er lebt damit viel gesünder.

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