essen & trinken – Redaktionsblog

Global denken, regional trinken

Claudia Muir Claudia Muir
29. Mai 2009
1 Kommentar

Die deutsche Bierlandschaft wird immer übersichtlicher. Große Gruppen übernehmen immer mehr kleinere Traditionsbrauereien. Vor 100 Jahren gab es etwa 19000 Brauereien, heute sind es ca. 1200. Wenn wir also nur noch zwischen ein paar Pilsmarken wählen können, geht vor allem die geschmackliche Vielfalt verloren.
Deshalb freue ich mich, wenn ich Bier von einer regionalen, kleinen Brauerei finde. Meine neueste Entdeckung machte ich letztes Wochenende im norddeutschen Wendland. Bei dem Städtchen Clenze braut die Wendland Bräu (www.storchenbier.de) handwerklich und schonend mit Rohstoffen aus kontrolliertem Anbau. Ich habe das Märzen probiert, ein untergäriges, bernsteinfarbenes Bier, das wunderbar süffig und leicht bitter schmeckt. Alle Biere, die hier gebraut werden, sind unfiltriert und nicht pasteurisiert. Ein ganz neues, wunderbares Geschmackerlebnis.

Kommentare (1)

  1. Das Wendland-Bräu ist eine der besonderen Hoffnungsstrahlen im ansonsten trüben norddeutschen Bierhimmel – Herstellung, Region und Eigentümer stehen in einem hervorragend harmonischen Verhältnis zueinander, dass man die Brauerei trotz des jungen Alters durchaus bereits als “authentisch” bezeichnen kann.
    Wenn wir von immerhin “noch” 1.200 Brauereien in Deutschland sprechen, dann reden wir auch von ca. 100 Brauereien für alle fünf norddeutschen Bundesländer (MV, SH, Niedersachsen, sowie HH und HB), aber annährend 800 in Bayern – das verdient wohl den Namen “Nord-Süd-Gefälle”.
    Von diesen 100 Brauereien in Norddeutschland haben max. 20 Brauereien überhaupt den Status deren Bier weiter als die eigene Theke zu vertreiben. Hat man als Verbraucher den Anspruch auch beim Händler ein regional hergestelltes Bier zu kaufen ist dies durchaus zunehmend schwierig. Denn obwohl die Anzahl der Brauereien in jüngster Zeit erfreulicherweise zumindest gleich geblieben ist, kompensieren neu entstehende Gasthausbrauereien doch nur die Schliessung mittelständischer flaschenvertreibender Biere in Anzahl, aber beileibe nicht in Volumen – und das entzieht dem Markt Biervielfalt in erheblichem Maße.

    Womit Brauereien aber maßgeblich zu kämpfen haben ist das Unwissen vieler Verbraucher. Dafür ist gerade das Wendland-Bräu ein gutes Beispiel. Die Autorin des Artikels hat besonders auf deren “Märzen” hingewiesen. In der Anfangsphase der Brauerei konnten die wenigsten Kunden des Wendland-Bräus etwas mit dieser Biersorte anfangen, so dass die Eigentümer zeitweise deren Bier ohne Hinweis auf die Biersorte angeboten haben, um nicht dadurch auch noch den Verkauf zu gefährden.
    Während sich viele Verbraucher mit allen möglichen Getränken inniglich auseinandersetzen verharrt das eigentliche Kulturgetränke No. 1 in Deutschland in der Wertschätzung irgendwo zwischen Bierbauch und Ramschpreis. Bei 1.200 Brauereien in Deutschland und vielen artikelwürdigen Brauereien in anderen europäischen Biernationen (z.B. Belgien, England, Österreich und auch Dänemark) gäbe es genug zu schreiben.

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