3000 Biere und 180 Biertester: Der World Beer Cup beginnt
Hellblauer Himmel, smaragdgrünes Wasser, blühende Magnolien, Sonne und, na klar, eine steife Brise Südwind – einen schöneren Empfang hätte es kaum geben können. Seit dem Osterwochenende sind 180 Bierjuroren aus 27 Ländern in Chicago eingetroffen. Denn «The Windy City“ ist Austragungsort des World Beer Cup 2010 (WBC), die Olympiade der Biere, die alle zwei Jahre an wechselnden Orten in den USA stattfindet. Aus Deutschland sind zusammen mit mir 14 Juroren angereist, darunter einige Braumeister und ein paar, die genau wie ich eine Ausbildung zum Diplom-Biersommelier absolviert haben.
Neuer Teilnahmerekord
Der diesjährige Kontest bricht wieder alle Rekorde: Wie Competition Manager Chris Swersey von der «Brewers Association» auf dem Empfang für die Jurymitglieder mitteilte, treten in diesem Jahr 3401 Biere von 651 Brauereien aus aller Welt den Wettkampf an. Das sind 19 Prozent mehr als 2008. Eine Menge Arbeit für uns Juroren. Wir dürfen diesmal in 90 Stilkategorien Medaillen in Gold, Silber und Bronze vergeben.
Fassausbau löst India Pale Ale ab
Eines hat auf dem Empfang alle überrascht: Während auf den vorangegangenen WBC’s die meisten Einsendungen in der Kategorie India Pale Ale (IPA) gezählt wurden, gibt es in diesem Jahr einen neuen Shooting Star unter den Bierstilen. Swersey verriet, dass die meisten Einsendungen in der Kategorie der auf Holz und in Holzfässern gereiften Biere eingegangen sind. Das markiert eine Trendwende! Während das IPA, der super-hopfen-aromatische obergärige Liebling der internationalen Bierwelt, mittlerweile zum Standard der meisten Brauereien gehört, wird der Fassausbau zur neuen Spielwiese der Brauer. Helle und dunkle, obergärige und untergärige ebenso wie sauervergorene Biere werden aufs Fass gelegt. Alles ist erlaubt: jungfräuliche französische Eiche, Whiskyfässer, ja selbst Rotweinfässer werden mit Bier gefüllt – wie etwa das „Cuvée Freddy“ von der flämischen Brauerei Alvinne, das ich neulich in Belgien verkostet habe.
Die deutschen Brauer bleiben von diesen Trends bisher völlig unberührt. Das ändert sich hoffentlich, denn nichts hat die deutsche Bierkultur nötiger als ein bißchen mehr Pepp und hochwertige Innovationen.
Stadt der Brauereien, Bars und Bierrestaurants
Es ist schon ein besonderes Privileg, in Chicago dabei zu sein. Nicht nur, dass wir Biertester bis zum 11. April auf Einladung der «Brewers Association» im noblen Chicago Sheraton Hotel & Towers mitten im Zentrum wohnen. Um uns herum boomt auch eine interessante Bierkultur. Chicago hat allein sechs Brauereien, von denen die größte die Goose Island Fulton Street Brewery ist. Hinzu kommen über 30 Gasthausbrauereien und unzählige Bars und Restaurants mit beeindruckender Bierauswahl und interessanten Vorschlägen zu Bier-und-Speisen-Paarungen. Siehe dazu auch diese Karte mit allen bierigen Orten in Chicago. Ich freue mich schon darauf, diese Szene zu erkunden.
Beeindruckende Bierauswahl
Eine dieser Bars/ Restaurants kann ich bereits empfehlen. Im Hopleaf ist die Bierkarte überwältigend: 250 Flaschenbiere und gut 20 Fassbiere stehen zur Auswahl, dazu originell veredelte Bistrogerichte wie etwa Endiviensalat mit gegrilltem Spargel und Palmherzen oder ein Pumpernickel-Sandwich mit gekochtem Schinken und Greyerzer. Letzteres schmeckte besonders gut zum «Aprihop», einem trocken ausgebauten, hopfigen Aprikosenbier der Dogfish Head Brewery. Die Röstaromen und die Lakritznoten des Pumpernickel wurden aufs Herrlichste kontrastiert von der herben Fruchtigkeit und den würzigen Hopfennoten dieses bernsteinfarbenen Ales.
Übrigens haben wir Juroren auf dem Empfang heute abend auch unseren Einsatzplan für den WBC bekommen: Ich darf morgen zuerst das feinsinnige deutsche Pils, dann das geschmacksstarke amerikanische IPA und schließlich das röstaromatische dunkle Lagerbier testen. Ein abwechslungsreiches Programm. Ich freu mich drauf.







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