Chicago ist in dieser Woche überflutet von Bier, Brauern und Bierfans. Allein der World Beer Cup hat mit den Juroren und Wettkampfhelfern mehrere hundert Bierleute angezogen. Die Craft Beer Conference (CBC), das jährliche Treffen der neuen US-Brauer, hat weitere 3400 Teilnehmer nach Chicago gebracht (eine komplett ausverkaufte Vortragsveranstaltung: rund 2000 Interessierte konnten nicht zugelassen werden.)
Diese Flut ist wie ein warmes Bad für Gastronomie und Handel. Und so haben Pubs, Restaurants und Liquor Stores in diesen Tagen zahlreiche Empfänge und Events veranstaltet.
Der Chicagoer Getränkefachgroßhändler Luis Glunz beispielsweise schickte gestern über fünf hundert CBC-Teilnehmer auf eine „Rare Beer Tour“. Busse verkehrten im 15-Minuten-Takt, zirkulierten bis 23 Uhr auf drei verschiednen Touren zwischen je fünf Bars. Teilnehmer konnten nach belieben weiterfahren oder verweilen. In jeder Bar wartete ein „seltenes Bier“ auf die Ankömmlinge, ein saisonale Spezialität oder eine limited Edition.
Wenn über 500 Leute zwischen 15 Bars zirkulieren, dann wird es voll und eng, dachte ich. Aber alles hat sich gut verteilt. Und so wurde die Tour zu einer angenehmen Entdeckungsfahrt:
1. Station
Im Hot Chocolate wurde Cuvée de Fleurs von der Brauerei „South Hampton Public House“ kredenzt.
Das Bier: Ein wahrhaftes Blumenbouquet und ein bisschen Minze, kein Wunder, denn dieses Saison (belgischer Ale-Stile) ist mit Lavendel, Rosenblüten und Kamille eingebraut.
Die Bar: gepflegt, mit Fokus auf feine Drinks, gute Küche, gute Bierauswahl, allerdings kein Fassbier.
2. Station
Im Delilah’s wurde das Bier der schottischen Punkbrauer Brew Dog aufgefahren.
Das Bier: Punk IPA – für meinen Geschmack zu rau und kantig auf dem Gaumen.
Die Bar: dunkles, enges Rock’n Roll-Verließ mit Elvis-Presley-Gemälden an den Wänden. Nette Leute, viele europäische Biere.
3. Quencher
Im Quencher gab es das „Dog Schwarz Smoked Double Lager“ der Flying Dog Brewery
Das Bier: Endlich mal ein deutsch-inspiriertes Lagerbier, mit angenehmer Rauchnote noch dazu.
Die Bar: Geräumiger Saal mit alten hohen stuckverkleideten Decken, lockere Saloon-Atmosphäre, nette Gäste, über 300 Biere aus allen Erdteilen, große deutsche Auswahl, 20 verschiedene Fassbiere.
4. Seffield’s
Im Sheffield’s warteten verschiedene Kreationen der Dogfish Head Brewery.
Das Bier: Raison D’Extra viel zu süß an dem Abend. Fort Pangaea hingegen trocken, mit eleganter Komplexität.
Die Bar: laut, schicke junge Leute, interessante „Beer School Bar“ im Hinterraum mit Kamin! Beeindruckende Bierkarte, schöner Biergarten, Barfood.
Im Quencher präsentierte Importeur James Vanderkolk auch den fränkischen Brauer Michael Plank und dessen hochgeschätzten Weißbiere. (Endlich ein süffiges Bier!)







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