essen & trinken – Redaktionsblog

Fleischlos glücklich im Restaurant Tibits

Vegetarisches Fast Food scheint ein Widerspruch in sich zu sein. Nicht so im vegetarischen Restaurant Tibits in Zürich. Das Lifestyle-Restaurant im hippen Zürcher Seefeld steht für Lebensfreude wie kaum ein anderes Veggi-Lokal: Vom Klischee des alternativen Körnerpickers, der fades Tofuschnitzel isst, keine Spur, stattdessen lockt ein buntes Buffet voll verführerisch duftender Köstlichkeiten. Nun hat das Tibits ein Buch herausgegeben, damit Fans die schnellen, fleischlosen Gerichte zu Hause nachkochen können.

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Essen im Tibbits: Gefüllte Jalapeños, Pfeffertofu-Gurken, Wakame-Reisnudel-Salat, Masaman-Curry und viele weitere vegetarische Leckereien

Mein Problem im Tibits ist immer die große Auswahl an Leckereien und dies, obwohl ich auch sehr gerne Fisch und Fleisch esse. An die 40 Gerichte werden am großen Buffet angeboten und an der Kasse abgewogen. Beim letzten Besuch im Restaurant brachte ich sagenhafte 970 Gramm an Salaten, Pastagerichten und herzhaftem Gebäck auf meinem Teller unter: Ich konnte einfach nicht anders. Wichtig bei solchen Mengen ist eine austarierte Statik, damit die essbare Pyramide nicht zusammenbricht und den schicken Holzboden im Tibits verunreinigt. Nach einem weiteren Gang zum Dessertbuffet mit Waldbeeren-Tiramisu, Birchermüesli und Cheese Cake habe ich das Lokal schließlich in Kugelform – aber sehr zufrieden – verlassen. Kein Wunder, dass sich der Name Tibits vom englischen “titbits”, was so viel wie „kleine Leckerbissen“ bedeutet, ableitet.

Ein Ausweg aus dieser Qual der Wahl ist das neue Kochbuch “Tibits at home”. Im Gegensatz zum riesigen Tibits-Buffet wird zwischen den zwei Buchdeckeln eine kleine aber feine Auswahl an Gerichten getroffen. Wunderbar ist auch die graphische Aufmachung des Buches, denn Foodstylisten und Dekorateure haben sich bei der liebevollen Gestaltung sichtlich Mühe gegeben. Dank Stimmungsbilder und moderner, heller Foodbilder wird das Buch zum ästhetischen Leckerbissen. Gerichte wie “Erbsensuppe mit Minze”, “Indische Samosas” und “Roter Reissalat” machen Lust auf mehr. Was auffällt: Die Rezepte dauern selten länger als 30 Minuten und sind trotzdem raffiniert. Im Praxistest zeigt sich die vielfältige Einsetzbarkeit der Tibits-Rezepte: Nachdem ich “Rotes Thai-Gemüse” für ein festliches Abendessen zubereitet habe, bringe ich den “Apfel-Ingwer-Salat mit Tofu” zum lockeren Brunch mit Freunden mit und esse das „Quinoa mit Curry und Cranberries“ vor dem Computer, während ich diesen Blog schreibe.

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Selbst gekocht: Rotes Thai-Gemüse mit Cocobohnen, Paprika und Shiitake-Pilzen

Mein absolutes Lieblingsgericht ist übrigens das “Rote Thai-Gemüse”, das knackig und schön scharf ist. Empfindliche Gemüter seien jedoch gewarnt, denn 80 Gramm rote Currypaste auf 400 ml Kokosmilch und 100 ml Gemüsebouillon sind eine wirklich authentisch thailändische Mischung, sprich höllisch scharf. Glücklicherweise serviere ich dazu den Gewürz-Basmatireis aus dem Kapitel Grundrezepte. Dieser weist durch Nelken, Zimt, Kreuzkümmel und Koriander zwar eine interessante orientalische Note auf, eignet sich aber auch, um die Schärfeattacke abzumildern. Etwas Süßes darf danach nicht fehlen und die “Bananencreme mit Vanille und Kurkuma” kommt bei meinen Gästen sehr gut an, obwohl sie optisch noch nicht ganz mit der Creme im Buch mithalten kann. Dass die Gerichte alle ohne Fleisch und Fisch auskommen, stört niemanden. Im Gegenteil, einem guten Bekannten mit Fischallergie ist die Erleichterung anzusehen, sind sonst vermeintlich vegetarische Asiagerichte doch häufig mit Austern- oder Fischsauce versetzt.

Meine Favoriten aus dem Restaurant, die knusprigen, gefüllten Jalapeños, das Birchermüesli und den Wakame-Reisnudelsalat finde ich leider nicht in “Tibits at home”. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Taktik, damit die Gäste wiederkommen. Andere Gerichte aus dem Buch wie Pfeffertofu-Gurken oder Schwarzes Quinoa mit Cherrytomaten treffe ich bei meinem Restaurantbesuch hingegen wieder. Da es in Hamburg leider (noch) kein Tibits-Lokal gibt, ist das Buch eine willkommene Ergänzung für mein Bücherregal. Fazit: Ich werde nun öfters Tibits-Kost zu Hause zubereiten. Dabei werde ich auch die Tibits-Maxime von den biologischen Zutaten umsetzen, damit es möglichst wie in meinem liebsten vegetarischen Fast Food-Restaurant schmeckt.

Tibits-Dependancen vom Haus Hiltl gibt es inzwischen in Zürich, Winterthur, Bern, Basel und London. Tibits at Home vom AT Verlag kann für 32.90 Euro erworben werden.

Fotos: privat

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