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Urlaub in Südtirol: Zu Gast im Knödelparadies

Seit ich denken kann packt meine Familie in der Pfingstzeit ihre Koffer und fährt geschlossen eine Woche lang in den Urlaub nach Südtirol. Oft kommt dabei eine Reisegruppe von bis zu 20 Leuten zusammen, in diesem Jahr war ich wieder einer von ihnen. Neben ausgiebigen Wandertouren rund um Meran freute ich mich natürlich vor allem auf die Südtiroler Köstlichkeiten, auf Vinschgerl und Sennereien-Käse, auf Pizza und Pasta, auf Rotwein und den hausgebrannten Begrüßungsschnaps unserer Wirtin Regina vom Schneidlhof, der selbst nach all den Jahren noch immer durch Mark und Bein fährt. Doch in diesem Jahr avancierte ein relativ unscheinbares Gericht zu meinem persönlichen Highlight der Speisekarten: der gute alte Knödel.

Pilzknödel, Dinkel-Gemüse-Knödel und Löwenzahnknödel

Von links: Pilzknödel, Dinkel-Gemüse-Knödel und Löwenzahnknödel

Freilich sind Knödel und Nockerln nicht gerade als Diät-Lebensmittel bekannt, bestehen sie doch vorwiegend aus Kohlenhydraten. Allerdings gibt es drei wichtige Argumente, die für eine Knödelmahlzeit ohne Reue sprechen:

1.) Kehrt man an einem langen Wandertag in einer der zahlreichen Heckenwirtschaften (je nach Region auch Buschenschank oder Besenwirtschaft genannt) ein, liefern sie die nötige Energie für die letzten Höhenmeter.

2.) Sie schmecken zu jeder Jahreszeit, ob als sommerlicher Biergartensnack oder als wärmendes Soulfood an einem verschneiten Wintertag.

3.) Wer fährt schon zum Abnehmen in den Urlaub?

Berühmtester Vertreter der Tiroler Knödelkunst ist der Speckknödel, der üblicherweise mit Schnittlauch in einer kräftigen Brühe oder auf einem knackigen Salatbett serviert wird. Mich begeisterten jedoch vor allem die etwas ausgefalleneren Varianten, wenn man davon bei einem so einfachen Gericht sprechen kann. Der Schneeweißhof in Dorf Tirol ist berühmt für seine Knödelspezialitäten, die je nach Saison variieren. Bei strahlendem Sonnenschein bestellte ich das Knödel-Tris (oberes Bild) und wurde nicht enttäuscht: Auf dem Teller fanden sich ein Löwenzahnknödel, ein Dinkel-Gemüse-Knödel und ein Pilzknödel mit zerlassener Butter und Parmesan, dazu gab es eine hausgemachte Holunderblüten-Schorle. Die Knödel schmeckten wunderbar, weich und doch bissfest, die Zutaten schmackhaft und intensiv. Viel zu lecker, um nur drei davon zu essen. Schnell erklärte sich jemand bereit, ein Dessert zu teilen – selbstverständlich ein süßes Knödel-Tris mit Butter, Zucker und Zimt. Das Tris bestand aus einem Apfelknödel, einem Erdbeerknödel und einem (umwerfenden) Marillenknödel, allesamt nicht im Semmelteig, sondern im Kartoffelteig gekocht. Satt und glücklich konnte die Wanderung fortgesetzt werden.

Apfelknödel, Marillenknödel und Erdbeerknödel

Von links: Apfelknödel, Marillenknödel und Erdbeerknödel

Den zweiten Glanzpunkt der Knödelwoche setzte das Gasthaus Senn am Egg am Marlinger Höhenweg. Als wäre das überwältigende Panorama über das ganze Tal noch nicht genug, verwöhnt die charmante Familie Gufler die Wanderer mit deftiger Wirtshausküche und einem reichhaltigen Kuchenbuffet mit Obst aus den hauseigenen Gärten. Neben den obligatorischen Speckknödeln stand ein Teller mit Käse- und Spinatnocken auf Bandnudeln mit Steinpilzsauce auf der Karte. Eine geradezu absurde Menge an Kohlenhydraten, aber höchst verlockend und genau richtig nach dem steilen Aufstieg. Die Nockerln waren ausgezeichnet, standen jedoch noch im Schatten der Bandnudeln, die selbstgemacht waren und die frischen, aromatischen Steinpilze hervorragend in Szene setzen konnten. Nächstes Jahr werde ich wieder hier sein.

Spinatnocke, Käsenocke und Bandnudeln mit Steinpilzsauce

Spinatnocke, Käsenocke und Bandnudeln mit Steinpilzsauce

Was liebt Ihr an der Tiroler Küche? Habt Ihr einen Lieblings-Knödel?

Weitere Informationen:

Schneidlhof
Aichweg 12
I-39019 Dorf Tirol (BZ)
Homepage: www.schneidlhof.com

Schneeweißhof
St. Peter 23
I-39019 Dorf Tirol (BZ)
Homepage: www.schneeweisshof.com

Gasthaus Senn am Egg
St. Felixweg 21
I-39020 Marling (BZ)
Homepage: www.sennamegg.it

Fotos: Dominik Ernst

Kommentare (3)

  1. Am Sonnabend (Samstag) nach Himmelfahrt sind wir ab Naturns auf dem Meraner Höhenweg gewandert, angeblich eine bequeme Wanderung ohne nennenswerte Steigungen … Jedenfalls waren wir sehr bedürftig und kehrten auf einer Alm ein. Dort aßen wir den allerbesten Apfelstrudel (in Südtirol mit Mürbeteig gebacken) mit Pignoli (Pinienkernen) und Rosinen. Die Eier für den Teig stammten von Alm-Hühnern, so dass der Strudelteig eine echt gold-gelbe Farbe hatte. Dazu gab’s ein Glas frische gekühlte, nicht eiskalte, Buttermilch. Gaaaanz tolle Kombination! So gestärkt konnten wir den Höhenweg bis Giggelberg fortsetzen!

  2. @Kay-Henner: Das klingt ja wirklich super lecker, nach diesem Apfelstrudel werde ich bei meinem nächsten Südtirol-Ausflug suchen! Naturns war in diesem Jahr auch geplant, musste aber ausfallen, weil die Beine nach einer Tour zu den Spronser Bergseen am Vortag doch ein wenig schwer waren :-)

  3. Hallo Herr Ernst,
    habe gerade Ihren Beitrag über unser Knödeltris gelesen, hat mich sehr gefreut wie uns beschrieben haben.
    würde mich freuen Sie wider bewirten zu können
    Liebe grüsse Gufler Michael
    Gasthaus Senn am Egg

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