essen & trinken – Redaktionsblog

Schlemmen auf dem Markt des guten Geschmacks

Oft hatte ich es mir vorgenommen, immer kam etwas dazwischen, doch in diesem Jahr habe ich es endlich zum Markt des guten Geschmacks nach Stuttgart geschafft. Vom 12. bis zum 15. April tagte der Verein Slow Food in den Messehallen und lud wie immer jeden zum Probieren ein, der sich für “gut, sauber und fair” produzierte Delikatessen begeistern kann. Knapp 400 Aussteller bewirteten über die Dauer der Messe 80.000 Besucher – ein Rekordergebnis!

Beim Markt des guten Geschmacks wird zusammen an der langen Tafel gespeist.

Beim Markt des guten Geschmacks wird zusammen an der langen Tafel gespeist.

Auch das vielfältige Rahmenprogramm ließ kaum Wünsche offen. Bei den “Geschmackserlebnissen” hatten die Besucher die Möglichkeit, ihre Wahrnehmung beim Essen & Trinken zu schulen: Die Vielfalt einzelner Lebensmittel wurde erforscht, zum Beispiel beim Vergleich verschiedener Kartoffelsorten, unterschiedlich behandelter Milch oder Broten aus der traditionellen Backstube und der Industriebäckerei. Auf der Forumsbühne diskutierten Größen der Gastronomie und Insider des Lebensmittelmarktes aktuelle Trendthemen wie Regionalität und Lebensmittelverschwendung. In der Kochwerkstatt konnte schließlich selbst der Kochlöffel geschwungen werden, unter Anleitung renommierter Sterneköche wie Herbert Hintner vom Restaurant “Zur Rose” in Eppan oder Johannes King vom “Söl’ring Hof” auf Sylt.

Um das Programm komplett auszuschöpfen, reichte ein Tag allerdings nicht aus und so konzentrierte ich mich ausschließlich aufs Essen. Mit leerem Bauch und leuchtenden Augen lasse ich zunächst meinen Blick schweifen, bevor ich zum Einstieg gleich ein Highlight entdecke: In der Anfangs noch recht leeren Halle esse ich am Stand des Sternerestaurants Meyers Keller aus Nördlingen eine kleine Portion vom Rieser Heidelamm an Mostrich-Risotto im Sud von grünen Bohnen, persönlich zubereitet von Chefkoch Joachim Kaiser. Ein Gedicht! Der Rieser Culatello Riserva, ein 30 Monate kellergereifter Schinken, den es üblicherweise nur im Restaurant gibt, steht dem Geschmackserlebnis in nichts nach.

Zartes Rieser Heidelamm und hauchdünner Culatello aus Meyers Keller

Zartes Rieser Heidelamm und hauchdünner Culatello aus Meyers Keller

Von den zahlreichen Käse-Manufakturen auf der Messe sticht eine ganz besonders heraus: Käser und Künstler Alois Hofer beeindruckt mit einem über drei Jahre lang gereiften Allgäuer Bergkäse. Von außen macht der Käselaib einen verstaubten Eindruck, fast wie ein Sandstein. Doch sein Innenleben begeistert mit einem herrlich kräftigen und dabei sehr harmonischen Aroma. Mein persönlicher “Testsieger” in Sachen Wurst kommt aus Mecklenburg-Vorpommern: Die Wild-Manufaktur von Marcus Bauermann aus Dobbertin verarbeitet ausschließlich Wildtiere aus den Wäldern im benachbarten Kloster zu Schinken und Salami in Spitzenqualität. Das hochwertige Fleisch von Hirsch und Wildschwein trifft auf eine Verarbeitung nach italienischem Vorbild, die Produkte werden luftgetrocknet und reifen lange unter einer dünnen Edelschimmel-Schicht. Neben dem Wildschinken “Benedikt”, der mir nicht nur als Namensvetter zusagt, gibt es die Salamis “Abt”, “Domina” (mit Hanfsaat) und “Mönch” (mit Trüffeln), jeweils vom Hirsch und vom Wildschwein. Himmlisch sind sie allesamt.

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Dreijähriger Bergkäse von Alois Hofer, Wildschinken aus der Wild-Manufaktur

Neben den traditionellen und regionaltypischen Spezialitäten stößt man beim Markt des guten Geschmacks auch auf Dinge, die man in dieser Form noch nie probiert hat. Mit herrlichem Duft und einem sanften Prickeln locken Bernulf Schlauch’s Holunder- und Rosensekt aus der Hohenlohe, die Eis-Manufaktur Kreß überzeugt mit einem traumhaften Schafmilch-Eis, gesüßt mit Honig und aromatisiert mit Lavendel, die Schokoladenkreation von Zotter mit Kornelkirsche und Schweineblut schockt nur im ersten Moment, bevor sie vielschichtig und cremig auf der Zunge zergeht. Außerdem probiere ich Schwäbische Austern (besser bekannt als Weinbergschnecken), kurz im Ofen gebacken mit zerlassener Bärlauchbutter. Ganz großes Kino.

Bevor ich abends noch kurz beim von Hendrik “Wurstsack” Haase angestoßenen kulinarischen Bloggertreffen vorbeischaue, probiere ich zum Abschied noch einen kernigen schwäbischen Whisky vom Berghof Rabel.

Hervorragender Absacker: Schwäbischer Whisky

Hervorragender Absacker: Schwäbischer Whisky "Owen"

Weitere Infos zum Markt des guten Geschmacks und zum Verein finden Sie auf der Homepage von Slow Food e.V.. Ein Verzeichnis aller Aussteller 2012 stellt die Messe Stuttgart hier bereit.


Fotos: Benedikt Ernst

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