Musik, Kunst, Kochen: Drei Dinge, die gut zusammenpassen. Plus rasante Gespräche und rasende Kameramänner. All das bieten die Konspirativen KüchenKonzerte, die in der Küche von Marco Antonio Reyes Loredo in Wilhelmsburg stattfinden – zwischen Bücherregalen und improvisierter Bühne sitzt das Publikum auf langen Holzbänken. Die KKK’s sind TV-Kochshows, wenn auch etwas anderer Art. Und heute wird eine der neuen Folgen aufgezeichnet.

Marco in seiner Küche: Auftakt für Konspirative KüchenKonzerte
Eingeladen hat Marco an diesem Abend den Hamburger Künstler Tobias Rehberger, der auch die Optik der Küche für den Abend gestaltet hat: Wände, Klappen, Türen und Fenster sind weiß verkleidet und provisorisch mit farbigen Tapes verbunden. Eine Reminiszenz an brasilianische Favélas, wie er sagt. Zweiter Gast ist Andreas Dorau, der in Begleitung seiner Band ausgewählte Stücke seines neuen Albums „Todesmelodien“ präsentiert – sinnige Texte, rhythmisch unterlegt. In den musikalischen Pausen geht’s mit Tobias Rehberger zu Marco an den Küchentisch. Der bombardiert seine Gäste mit Fragen zu deren kulinarischen Vorlieben, zur Kunst, der eigenen und im allgemeinen, thematisiert den künstlerischen Werdegang der beiden und hakt dabei konsequent nach - während er den Kochlöffel schwingt. Unterstützt wird ert dabei von Stefan Mühlmann.

Andreas Dorau, Tobias Rehberger und Marco Antonio Reyes Loredo
Genervt von niveaulosen Shows, in denen Musik und Kunst kaum mehr eine Rolle spielten, entwickelten 2008 Marco Antonio Reyes Loredo und ein paar Freunde ein neues Konzept, das sie sogleich auch produzierten: Basierend auf der Idee, dass die Küche das Zentrum der meisten interessanten Gespräche bildet, senden sie direkt von hier raus in die Welt. Die Sendung basiert auf der Kombination von Gesprächen und Konzerten vor Livepublikum. Neben technischen Effekten (Kameraführung) wird die Sendung mit weiteren Extras, wie dem fast schon legendären Fahrstuhlinterview, erweitert. Hier steigt Marco mit seinem Gast in den Aufzug und quetscht ihn nach allen Regeln der Interviewkunst aus – immer charmant, interessiert und informiert. Derweil köchelt das Menü vor sich hin. Das Studiopublikum schaut derweil den Umbauarbeiten zu und pflegt Gespräche mit den anderen Gästen. Für die Ausstrahlung werden die vereinzelten Teile der KüchenKonzerte kombiniert und mit weiteren Einspielern versehen. Das innovative Fernsehformat erhielt 2010 den Grimme-Preis, weitere Auszeichnungen folgten. Nun hat auch das öffentlich-rechtliche Interesse an den Konspirativen KüchenKonzerten gezeigt. Ab September werden die aktuellen Folgen auf ZDF.kultur ausgestrahlt.
Bei aller Liebe zur Kunst und zur Musik geht’s in erster Linie jedoch ums Essen und Kochen. Und das macht Marco Antonio Reyes Loredo. Dem Wunsch des Künstlers nachkommend kündigt Marco japanisches Rindfleisch an, während er mit der Zubereitung beginnt. Während dieser über seine Antworten sinniert, dampfen die Töpfe, klappern die Löffel und schwitzen Kamerateam und Band – das Publikum vermeidet zu große Bewegungen, denn es ist heiß in der Küche.

Essen ist fertig!
Abkühlung bringt Eistee, den Tobias Rehberger als Eigenkreation seit kurzem produziert und vertreibt. Er schmeckt. Weiter bei Laune halten das Publikum neben Andreas Donaus Musikeinlagen, dem spannenden Tischtennisbattle von Rehberger und Marco, das auf einem umfunktionierten Bügelbrett ausgetragen wird und das ersterer recht souverän gewinnt, herumgereichte Ciabattascheiben mit Olivenöl und feinem Salz und natürlich das Versprechen von japanischen Rindfleisch, welches Marco wiederholt ins Spiel bringt.
Und plötzlich ist es soweit: Essen ist fertig! Koch, Künstler und Musiker nehmen am Tisch Platz, lehnen sich zurück, rauchen und probieren. Während die Gesprächsrunde sich ums Essen kreist, werden gefüllte Teller ans Publikum verteilt. Das japanische Rindfleisch entpuppt sich allerdings als kaltes Roastbeef, das mit Gurken- und Kartoffelsalat serviert wird – den kulinarischen Dreh dorthin habe ich leider nicht mitbekommen – meine Sitznachbarn auch nicht. Was soll’s, sieht gut aus und scheint zu schmecken.
www.konspirativekuechenkonzerte.de
Fotos: © Claudia Höhne
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